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Die Wendischcarsdorfer Verwerfung und der Wilisch

Text: Jens Weber, Bärenstein, Christian Jentsch, Kreischa; Christian Zänker, Freiberg
Fotos: Stefan Höhnel, Jens Weber, Jürgen Steudtner

Landschaft

Verlässt man den Dresdner Elbtalkessel in Richtung Süden, begrenzt bald ein markanter Höhenrücken den Horizont: Lerchenberg (425 m, bei Börnchen/Possendorf) - Quohrener Kipse (452 m) - Hermsdorfer Berg (447 m) - Wilisch (476 m) - Lerchenhügel (417 m, bei Hausdorf).

Die Welt der Bronzezeitsiedler endete an dieser Hügelkette, ebenso wie auch die der seit dem 7. Jahrhundert im Elbtal lebenden Slawen. Dahinter begann das Reich der Bären und Wölfe - "Wilisch" geht mit einiger Sicherheit auf das slawische Wort für "Wolf" zurück. Dort waren damals lediglich Jäger und Zeidler (Honigsammler) unterwegs.

Ausgrabungen im Jahr 1996 in der Flur Zscheckwitz haben den Nachweis gebracht, dass das Gebiet nördlich des Wilisch bereits um 3000 vor Christus (Jungbronzezeit) besiedelt war.

Slawische Weiler und Rundlings-Dörfer entstanden hier vermutlich erst um das Jahr 1000. Der slawische Gau Nisan im Elbtal hatte lediglich einige tausend Bewohner, für die Ausdehnung des Siedlungsgebietes bestand zu dieser Zeit nur eine geringe Notwendigkeit. Um im vergleichsweise unwirtlichen Ost-Erzgebirge, jenseits des Wilischs, den Wald zu roden und Dörfer anzulegen, für die Kolonisierung des "Böhmischen Waldes", bedurfte es erst der machtvollen Expansionsbestrebungen der Meißner Markgrafen Konrad ("der Große") und Otto ("der Reiche") sowie der Dohnaer Burggrafen im 12./13. Jahrhundert. Um 1200 entstand Reinhardtsgrimma, in dessen Nähe damals die Burg Grimmstein auf einem Bergsporn des Schlottwitzbaches thronte. Auch in der Kreischaer Senke ließen sich deutsche Kolonisten nieder, übernahmen zwar teilweise die slawischen Ortsnamen, legten aber typische Waldhufendörfer an, wie etwa Quohren oder Lungkwitz. Kreischa selbst hat zwar einen slawischen Kern (alte Wasserburg in Oberkreischa), wurde aber später von deutschen Siedlern wesentlich erweitert.

Nicht nur siedlungsgeschichtlich, auch geologisch beginnt an dem Wilisch-Höhenzug das Ost-Erzgebirge.


Als im Tertiär die Rumpfplatte des eingeebneten "Ur-Erzgebirges" dem Druck der von Süden gegen Europa drängenden Kontinentalschollen nicht mehr standhalten konnte, zerbrach sie in ihrer Mitte, entlang des heutigen Erzgebirgskammes. (Der Südteil sank in die Tiefe und bildete das Nordböhmische Becken, der Nordteil wurde herausgehoben und schräg gestellt - das Bruchschollengebirge "Erzgebirge" entstand). Auch hier im Nordosten riss die Erde auf und verschob das Ost-Erzgebirge ein Stück gegenüber dem nördlich angrenzenden "Rotliegend-Gebiet". Diese Bruchzone - Geologen sprechen von einer "Verwerfung" - wurde nach dem alten Karsdorfer Ortsnamen "Wendisch-Carsdorf" benannt. Zwischen 60 und 80 Meter steigt der Höhenrücken heute über den südwestlich angrenzenden, mehr oder weniger ebenen Fuß des Osterzgebirges an. Aus der Kreischaer Talmulde hingegen muss man über zweihundert Höhenmeter überwinden, will man zur Quohrener Kipse oder zum Hermsdorfer Berg aufsteigen.

Noch etwa 30 Meter mehr überragt der Gipfel des Wilischs die Wendischcarsdorfer Verwerfung. Hier steht Basalt (geologisch streng genommen: "Olivinnephelinit") an, etwa auf einer Fläche von 250 mal 150 Metern. Mit den tektonischen Brüchen des Tertiärs ging Basalt-Vulkanismus einher, von dem neben dem eigentliche Wilischgipfel noch zwei kleinere Vorkommen an dessen Osthang ("Kleiner Wilisch") künden.


Basaltsäulen im ehemaligen Wilisch-Steinbruch

Vor dem Anheben und Schrägstellen der Erzgebirgsscholle war deren östlicher Teil noch überwiegend von Sandstein bedeckt. Diesen hatte vor rund hundert Millionen Jahren das Kreidemeer hinterlassen. Nachdem dann die tektonischen Kräfte das Ost-Erzgebirge angekippt hatten, trugen die dabei neu entstandenen Fließgewässer den allergrößten Teil dieses Sandsteins wieder ab. Die Wendischcarsdorfer Verwerfung jedoch stellte sich dieser Abtragung in den Weg, hier blieb eine Sandsteindecke von teilweise einigen dutzend Metern Mächtigkeit erhalten: in der Dippoldiswalder Heide mitsamt Zipfelheide, im Zscheckwitzer Holz, in der Hirschbachheide und in der Reinhardtsgrimmaer Heide. Die Bezeichnung "Heide" lässt bereits vermuten, dass die Böden hier überwiegend nährstoffarm und für landwirtschaftliche Nutzung ungeeignet sind. Auch der Wald solcher Standorte muss sorgsam behandelt und darf nicht übernutzt werden - ansonsten wird daraus echte "Heide", so wie dies in früheren Jahrhunderten hier tatsächlich der Fall war.

Von weitgehender Abtragung verschont blieb dank des Höhenzuges nicht nur der Sandstein aus der Kreidezeit. Auch Lößlehm, eine Hinterlassenschaft der Eiszeiten, findet sich in teilweise erstaunlichen Mächtigkeiten noch südlich der Wendischcarsdorfer Verwerfung. Während der Elster-Kaltzeit (vor ca. 400.000 Jahren) drangen die skandinavischen Gletscher bis in den Kreischaer Raum vor, die beiden späteren Vorstöße polarer Vereisungen (Saale- und Weichsel-Kaltzeit) machten allerdings bereits weit nördlich des Erzgebirges halt. Aus den weitgehend vegetationsfreien Zonen in ihrem Vorfeld wurde kalkreicher Staublehm ausgeblasen und mit den von den Eismassen heranwehenden Stürmen bis ins Ost-Erzgebirge getragen. Luftverwirbelungen hinter dem Wilisch-Rücken ließen dann wahrscheinlich überdurchschnittlich große Mengen dieses Lößes auf den Sandstein-Verebnungen zu Boden sinken. In der Talmulde des Wilischbaches beträgt die Lößmächtigkeit teilweise mehr als einen Meter. Obgleich inzwischen längst der für viele Pflanzen wichtige Kalkgehalt des Lößes ausgewaschen ist, prägt dieser Lößlehm Böden und Vegetation der meisten Standorte entscheidend mit. Neben einer "Verbesserung" des Nährstoffangebotes auf den Sandsteindecken, die zwischen Hermsdorf und Reinberg sogar landwirtschaftliche Nutzung möglich macht, bringt der Lößlehm jedoch noch eine zweite Eigenschaft mit sich: die Neigung zur Bodenverdichtung und die Ausbildung von Pseudo- und Staugleyen auf ebenen Flächen.


Lößlehm-Ebene zwischen Dippoldiswalder Heide und Wilisch (Blick vom König-Johann-Turm)

Unterhalb von Kreidesandstein und Lößauflagerung bilden südwestlich der Wendischcarsdorfer Verwerfung verschiedene Gneise den geologischen Untergrund (das "Liegende" in Fachsprache, das darüber befindliche Gestein nennen die Geologen das "Hangende"). Überwiegend handelt es sich dabei um Grauen Biotit-Gneis, wie er im Ost-Erzgebirge überwiegt. Der Wilisch selbst - abgesehen von der Basaltkuppe - wird dem aus alten Granitgesteinen entstandenen Rotgneis (Metagranitoid) zugerechnet.

Zwischen Herbst und Frühjahr, wenn zwischen Kreischa und Possendorf die Äcker umgepflügt sind und offen liegen, fällt deren intensive rote Färbung auf. Nördlich von Wilisch und Hermsdorfer Berg, auch direkt auf den Kuppen von Quohrener Kipsen und Lerchenberg bildet das Rotliegende die Oberfläche. Dabei handelt es sich um Abtragungsschutt aus dem Variszischen Gebirge, das im Karbon (vor 360 bis 300 Millionen Jahren) mit einer seiner Bergketten (dem Erzgebirgssattel) das "Ur-Erzgebirge" bildete. In einer vorgelagerten Senke, dem Döhlener Becken, sammelte sich während und nach der Auffaltung des Variszischen Gebirges das Material, was damalige Flüsse von ihren Höhen und Tälern abtrugen. Zu diesem, nach dem Freitaler Ortsteil Döhlen benannten Becken gehörte auch die "Kreischaer Nebenmulde". Das Rotliegende besteht überwiegend aus Gneisgeröllen mit mehr oder weniger großen Anteilen von Porphyr- und Quarzit-Bruchstücken. Zu einem Konglomerat-Gestein verkittet wird dieses Gemisch durch Gneisgrus, der durch damalige tropische Verwitterung intensiv rot bis rotbraun gefärbt ist (hoher Anteil Eisenhydroxid). Dieses Rotliegendgestein ist vergleichsweise weich, entsprechend viel Platz konnte sich die Lockwitz im Kreischaer Talkessel schaffen.

Um dorthin zu gelangen, musste sich der (am Kohlberg bei Oberfrauendorf entspringende) Lockwitzbach zuvor allerdings durch die Wendischcarsdorfer Verwerfung und den relativ harten Rotgneis des Wilischs hindurch arbeiten. Zwischen Reinhardtsgrimma und Lungkwitz hat er dabei ein steiles Kerbsohlental geschaffen. Naturnahe Mischwälder tragen zum besonderen naturkundlichen Reiz dieses Durchbruches bei (der allerdings durch den heftigen Pkw-Verkehr allzu oft gestört wird).

Unterhalb der Kreischaer Talweitung stellen sich der Lockwitz noch verschiedene harte Gesteine des Elbtalschiefergebirges in den Weg. Diese "Elbtalschiefer" (Schiefer aller Art, aber auch Grauwacke, Quarzit, Marmor und Hornfels) werden westlich von Wittgensdorf - Gombsen vom Rotliegenden überlagert, treten aber in der Umgebung von Maxen in all ihrer Vielgestaltigkeit zu Tage.

Das zweite größere Fließgewässer des Gebietes, der Oelsabach, hat es im Unterschied zur Lockwitz nicht geschafft, seinen Lauf in Richtung Elbtal fortzusetzen, biegt stattdessen vor den Quohrener Kipsen nach Nordwesten ab und mündet schließlich bei Rabenau in die Rote Weißeritz.

Auch klimatisch bildet die Wendischcarsdorfer Verwerfung eine deutlich wahrnehmbare Trennscheide zwischen Erzgebirge und Elbtalzone. Wenn in wolken- und windlosen Nächten im Gebirge die bodennahe Luft abkühlt, dabei schwerer wird und talabwärts zieht, bildet der Höhenzug einen natürlichen Schutz für das Kreischaer Becken. Die Kaltluft staut sich über den Sandsteinheiden südlich des Höhenrückens und führt dort mit regelmäßigen Spätfrösten im Frühjahr zu einer Selektion (sub-)montaner Vegetation. Die Oberhänge von Wilisch, Hermsdorfer Berg und Quohrener Kipsen indes ragen meistens aus diesen Kaltluftseen heraus und bieten mit ihrer Südexposition wärmeliebenden Pflanzen geeignete Standortsbedingungen. Das Kreischaer Becken schließlich ist seit alters her ein bekanntes Obstanbaugebiet - dank des Schutzes, den die Wendischcarsdorfer Verwerfung gegenüber der kalten Gebirgsluft bietet. Früher wurde hier sogar Wein angebaut. Neben pestizidbelasteten Apfel- und Kirsch-Plantagen gedeihen heute noch große, teilweise sehr alte und aus Naturschutzgründen außerordentlich wertvolle (Streu-)Obstwiesen.

Besonders die Flur von Quohren ist durch eine große Anzahl von teilweise steinrückenartigen Feldrainen und Hangterrassen geprägt. Der daraus resultierende kleinflächige Wechsel von Gehölzen und Offenland verschafft nicht nur dem Wanderer abwechslungsreiche Ausblicke, sondern auch vielen verschiedenen Pflanzen und Tieren Lebensraum.

Nährstoffarme und zu einem großen Teil staunasse Böden sowie Frostgefährdung haben dazu geführt, dass die "Heiden" südlich des Wilisch-Rückens ungerodet blieben (wenn auch die Holzvorräte später rigoros geplündert wurden). Wald wächst auch auf den flachgründigen und/oder blockreichen Hängen des Wilischs und des Lockwitztales. Die Nordseiten von Wilisch, Hermsdorfer Berg und Quohrener Kipse wurden größtenteils erst später wieder aufgeforstet, überwiegend mit Fichtenforsten, die von Natur aus gar nicht hierher gehören.


Mehrere Teiche bereichern südlich des Wilischs die Lebensraumvielfalt

Die flachgründigen, mageren Oberhänge dienten einst als Viehtriften und waren noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts sehr artenreich. Intensivlandwirtschaft einerseits, Aufforstung und Verbrachung andererseits haben von dieser Fülle nur noch einen kleinen Teil übrig gelassen - doch auch dieser lohnt ausgedehnte Wanderungen entlang der Wendischcarsdorfer Verwerfung.

Bereits im 19. Jahrhundert erreichte Kreischa Bedeutung als Ausflugs- und Kurort. 1839 gab es hier die erste sächsische Kaltwasserheilanstalt. Nach 1990 etablierte sich die Bavaria-Klinik als Hauptarbeitgeber des Gebietes. Erholung in gesunder Natur ist ein wichtiges Ziel der Entwicklung im Lockwitztal. Nicht zuletzt dank des Engagements von Bürgermeister, Bavaria-Eigentümern und vielen Bürgern konnten Anfang der 1990er Jahre zwei große Gefahren für diese Entwicklung abgewendet werden: Zum einen wurden die Pläne für einen Großsteinbruch am Blauberg/Langer Berg aufgegeben, zum anderen der Bau der Autobahn A17 wenn schon nicht verhindert, doch so weit wie möglich an den Stadtrand von Dresden verschoben.

Rings um Kreischa erschließt ein gut unterhaltenes und ausgeschildertes Netz von Kurwegen die meisten naturkundlichen Sehenswürdigkeiten des Gebietes.

Pflanzen und Tiere

Durch die geologischen und klimatischen Besonderheiten weist der Höhenzug der Wendischcarsdorfer Verwerfung eine interessante und vielfältige Pflanzenwelt auf. Besonders artenreich und wertvoll sind zum einen die relativ mageren Wiesen im Nordwesten und zum anderen die basaltbeeinflusste Vegetation auf dem Wilisch.

Auf den zwischen Rundteil, Quohren und Karsdorf gelegenen Frischwiesen (meist alte lückenhafte Streuobstwiesen) kommen in großer Anzahl Kleines Habichtskraut, Wiesen- Flockenblume, Rundblättrige Glockenblume, Kleine Braunelle, Gewöhnliches Ferkelkraut und Rot-Schwingel vor. Als seltene Arten treten vereinzelt Goldklee, Wirbeldost und die geschützte Berg-Platterbse auf.

Besonders interessant ist die Vegetation auf dem Gipfel des Wilisch. Seiner natürlichen Bewaldung am nächsten kommt z. Z. wahrscheinlich sein Südhang mit Trauben-Eiche, Rot-Buche, Esche, Berg-Ahorn, Spitz-Ahorn, Vogelkirsche und Stiel-Eiche. Am Oberhang treten noch die Winter-Linde und spärlich die Hainbuche hinzu, die als Baumarten des Hügellandes hier auf einem vorgeschobenen Standort stehen. Die Krautschicht variiert kleinräumig, je nach Bodenbeschaffenheit und Sonneneinstrahlung. Den meisten gemeinsam ist allerdings die Vorliebe für basenreiche Böden, wie sie der Basalt hervorbringt. Häufig sind Waldmeister, Pfirsischblättrige Glockenblume, Kleinblütiges Springkraut, Moschus-Erdbeere, Bärenschote sowie die Gräser Wald-Zwenke, Nickendes und Einblütiges Perlgras. Auch Leberblümchen, Sanikel und Frühlings-Platterbse tragen zum Reiz und zur Bedeutung des Wilischs bei.


Bärenschote

Außerhalb der basaltbeeinflussten Standorte des Wilischs sowie, in geringerem Ausmaß, des Kleinen Wilischs würden von Natur aus bodensaure Traubeneichen-Buchenwälder wachsen, wie sie an den Lockwitzhängen in teilweise noch sehr schönen Beständen zu erleben sind. Die Artenvielfalt ist hier allerdings deutlich geringer. Draht-Schmiele, Schmalblättrige Hainsimse und Wald-Reitgras herrschen vor. Hinzu kommt an schattigen Hangbereichen sowie im Kaltluftstau südlich des Höhenzuges auch noch die Berglandsart Purpur-Hasenlattich.

Ebenfalls eher in höheren Lagen sind Wald-Geißbart, Sterndolde und Alantdistel zu Hause, die man vereinzelt im Lockwitztal bzw. deren engen Seitentälchen noch finden kann. Beachtung verdienen die Hochstaudenfluren an der Lockwitz, wenngleich der größte Teil der Talwiesen durch Eutrophierung und Überweidung in den letzten Jahrzehnten viel von der ursprünglichen Pracht eingebüßt hat. Von besonderer Schönheit ist heute noch ein ausgedehnter Bestand des Großen Wiesenknopfes in der Nähe der Teufelsmühle.

An sonnenbeschienenen Waldrändern und Böschungen der südexponierten Oberhänge gedeihen wärme- und lichtliebende Arten. Pech-Nelke und Nickendes Leimkraut fallen im Frühling auf, etwas später die leuchtend gelben Bestände des Färber-Ginsters und des Johanniskrauts.


naturnaher Eichen-Birken-Bestand am Rande der Hirschbachheide

In deutlichem Kontrast dazu steht die Vegetation der Sandstein-Heiden. Nicht nur wegen der Umwandlung in Fichten- und Kiefernforsten ist die Baumschicht recht artenarm. Im Randbereich von Hirschbach wachsen Trauben- und Stiel-Eichen sowie Sand-Birken. Neben den genannten Forstbäumen hat früher auch die Weiß-Tanne eine große Rolle auf den staunassen Böden gespielt. Drahtschmiele und Heidelbeere künden von den mageren Nährstoffbedingungen der Heiden, Wolliges Reitgras und Harz-Labkraut vom montan geprägten Klima. Wo das Bodenwasser wenigstens etwas in Bewegung ist, bildet der Adlerfarn dichte Bestände; wo hingegen Staunässe die Böden prägt, wächst Pfeifengras.

An sonnenbeschienen Wegrändern innerhalb der Sandsteinheiden, aber auch auf den Basaltfelsen kann man im Frühjahr noch gelegentlich einmal eine Kreuzotter beim Sonnenbad beobachten.

Hauptwildart des Wilischgebietes ist das Reh. Mitte der 1970er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden außerdem Damhirsche eingeführt. Damwild ist, im Unterschied zu den meisten einheimischen Wildarten, tagaktiv. Weil es vergleichsweise geringe Verbiss- und Schälschäden im Wald hervorruft, sollte damit die jagdliche und touristische Attraktivität des Wilischgebietes gesteigert werden. Der Bestand vermehrte sich innerhalb weniger Jahre auf über einhundert Tiere, die Waldbesucher auch häufig zu Gesicht bekamen. Doch die heutige Forst- und Jagdpolitik hat sich wieder vom Damwild verabschiedet. Heute kann man hier nur noch sporadisch einzelnen Tieren begegnen.

Im Kreischaer Becken mit seiner klimatisch begünstigten Lage, der breiten Lockwitz-Talaue und der reich gegliederten Umgebung mit kleinen Bachtälchen und zahlreichen Feldgehölzen findet auch eine artenreiche Flora und Fauna geeignete Lebensräume. In feuchten, noch nicht übermäßig mit Nährstoffen überfrachteten Auebereichen mit Feuchtwiesen, Hochstaudenfluren und kleinen Gewässern wachsen Himmelschlüssel, Sumpfdotterblume, Ästiger Igelkolben, Helmkraut, Wasserpfeffer, Bach-Ehrenpreis, Ufer-Wolfstrapp, Sumpf-Vergissmeinnicht, Wasser-Schwertlilie und Herbstzeitlose. Bis vor einigen Jahren gab es hier sogar noch die Sibirische Schwertlilie. Neben den allgemein verbreiteten Lurchen wie Erdkröte, Grasfrosch und Teichmolch profitiert auch der Springfrosch vom milden Klima. Das gleiche gilt unter den Reptilien für Zauneidechse und Glattnatter. Der Feuersalamander laicht erfolgreich in unbelasteten Bächen. In den Feuchtbiotopen und Wasserläufen der Talauen sind Wasseramsel, Eisvogel, Rohrammer, Wasserralle und Nachtigall zu beobachten oder zu hören. Schwarzstörche suchen hier nach Nahrung.


Eisvogel

Der nur noch gering mit Abwasser belastete Lockwitzbach mit seinen Nebenarmen gilt als Salmonidengewässer. Bach- und Regenbogenforellen ziehen ebenso durch die Gewässer wie Äschen sowie (aus Nordamerika eingeführte) Bachsaiblinge. Problematisch wirken sich allerdings an der ohnehin relativ wasserarmen Lockwitz lange Trockenperioden aus, wie etwa im Sommer 2003, als der Bach über weite Strecken völlig trocken fiel.

In Bereichen der extensiv genutzten Weideflächen und Streuobstwiesen sind neben Stickstoffzeigern wie Wiesen-Bärenklau und Wiesen-Kerbel häufig auch Margarite, Spitzwegerich, Echter Nelkenwurz, Kleines Habichtskraut, Kuckucks-Lichtnelke, Pech-Nelke und Wiesen-Storchschnabel zu finden. Typisches Gras der Mähwiesen ist der Glatthafer. An Waldrändern kommt sporadisch Seidelbast vor, deutlich häufiger hingegen das Pfaffenhütchen.

In Streuobstbeständen mit hohem Alt- und Totholzanteil sind Rückzugsgebiete, Brutstätten und Nahrungsquellen vieler Tierarten eng verbunden und bilden dadurch eigene Lebensräume und Gesellschaften. Typische Arten dieser Biotope sind u.a. Waldeidechse, Blindschleiche, Spitzmäuse, Gartenschläfer, Wiesel und Hermelin. Von den Vogelarten sind Neuntöter, Raubwürger, Grün- und Buntspecht, Braunkehlchen und Wendehals zu nennen.

Über 100 Brutvogelarten nutzen das vielfältige Lebensraumangebot zwischen Kreischa, Possendorf und Reinhardtsgrimma. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Wachtelkönig zu. Die markanten Rufe dieses seltenen Rallenvogels kann man in Juninächten auf den Wiesenflächen bei Lungkwitz vernehmen

Bemerkenswert ist auch die Vielfalt der Greifvögel (Habicht, Sperber, Mäusebussard, Wespenbussard, Rotmilan, Turmfalke, wahrscheinlich auch noch Baumfalke) sowie Eulen (Uhu, Schleiereule, Waldkauz, Waldohreule, sowie - heute als große Rarität - Steinkauz).

Literatur:

HÄRTEL, E.; HOPFGARTEN, E.H. von (1936): Forstliche Standortskartierung der Dippoldiswalder und der Hirschbach-Heide südlich von Dresden; Abhandlungen des Sächsischen Geologischen Landesamts

Heimatverein Reinhardtsgrimma (2006): 800 Jahre Reinhardtsgrimma, Chronik 1206-2006

Staatliches Umweltfachamt Radebeul (1998): Flächenhafte Naturdenkmale im Weißeritzkreis; Materialien zu Naturschutz und Landschaftspflege 01/98

WAGNER, Paul (1923): Wanderbuch für das Östliche Erzgebirge", Dresden