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Luchberg


Luchberglandschaft im Winter

Eine der auffälligsten Landmarken zwischen Müglitz und Weißeritz ist der Luchberg. Weniger als einhundert Meter überragt dessen 576 m hoher Gipfel die Umgebung, doch der Kontrast zwischen den seit mehreren Jahrzehnten strukturarmen Ackerfluren einerseits und der bewaldeten Basaltkuppe andererseits ist unübersehbar. Der Name des Berges legt es zwar nahe ("lugen" = Ausschau halten), doch vom Gipfel hat man heute keine Aussicht mehr. Der sehr artenreiche Wald hüllt das kleine Plateau vollständig ein, nur der Gittermast des Fernsehumsetzers ragt darüber hinaus. Bei einer Rundwanderung am Fuße des Luchberges kann man sich allerdings nacheinander einen 360-Grad-Eindruck von der Landschaft des nordöstlichen Erzgebirges verschaffen.

Wenn man sich von Luchau dem Berg nähert (Zugangsweg zweigt nach dem letzten Gehöft von der Straße nach Dippoldiswalde ab, vorbei an einer Wiese mit einigen alten Apfelbäumen), wird man an der Eingangstafel zunächst zurückschauen auf die landwirtschaftlich genutzte Gneisfläche, aus der sich hinter Cunnersdorf die steile Wand des Schlottwitzer Lederberges aus dem Müglitztal erhebt. In der Ferne sind die Tafelberge der Sächsischen Schweiz und, gute Sicht vorausgesetzt, dahinter die Lausitzer Berge zu erkennen. Im Südosten vermittelt die langgestreckte Sandsteinplatte des Hohen Schneeberges/Decínský Snežnik eine Ahnung davon, wie das Gebirge einst von den Ablagerungen des Kreidemeeres überdeckt war. Noch weiter in Richtung Süden gleitet der Blick das Müglitztal entlang, das in die kaum wahrnehmbar ansteigende Gneisscholle eingeschnitten ist und am Horizont vom Kamm der östlichen Erzgebirgsflanke begrenzt wird. Links fällt der Sattelberg/Špicák auf, rechts der Geisingberg, wie der Luchberg beides Basaltkuppen aus dem Tertiär. Direkt vor dem Geising hebt sich in der Abendsonne der Steinbruch an der Bärensteiner Kesselshöhe von der bewaldeten Umgebung ab. Noch weiter vor dem Geisingberg lässt das typische Waldhufendorf Johnsbach seine von zahllosen Steinrücken begrenzten Flurstreifen erkennen. Und davor wiederum hat sich die Prießnitz in die Landschaft gegraben. Von West nach Ost muss sie fließen, da der Querriegel des Gleisenberges/Steinberges (zwar hier unbewaldetes, aber dennoch verwitterungsbeständiges Quarzporphyrgestein) ihr diese Richtung diktiert hat.

Weiter im Uhrzeigersinn geht die Wanderrunde um den Luchberg und die Aussicht: Genau im Süden begrenzt die markante Steilstufe des Kahleberges den Horizont, weiter rechts erhebt sich das dunkle Kohlberg-Massiv, südwestlich vom Luchberg gelegen. Auch dies ist Quarzporphyrland. Nur handelt es sich nicht um einen schmalen Gang des "Sayda-Berggießhübler Gangschwarmes" (die weite Teile der Gneisscholle von West-Süd-West in Richtung Ost-Nord-Ost durchziehen), sondern um den zwei bis drei Kilometer breiten Deckenerguss des Teplitzer Quarzporphyres ("Rhyolith"). Zu Füßen des Kohlberges zieht sich Oberfrauendorf hinauf zur Quellmulde der Lockwitz. Die Landschaft zwischen Luchberg und Lockwitztal ist ziemlich strukturreich, was wiederum auch mit der Geologie zu tun hat: auf den Fluren von Ober- und Niederfrauendorf treffen sich Quarz- und Granitporphyr, Basalt und Gneis. Bei den beiden ersteren Gesteinen gibt es viele Kuppen mit flachgründigen Böden, die von den Bauern besser als Wald genutzt wurden. Einige recht schöne Beispiele solcher Bauernbüsche mit Eichen-Buchen-Mischwald beherbergt das Tälchen des Roten Wassers, der rechte Zufluss der Lockwitz im Vordergrund. Kleine Teiche bereichern die Gegend unter dem Luchberg zusätzlich. Zwischen Ober- und Niederfrauendorf muss die Lockwitz einen weiteren Quarzporphyrriegel des besagten "Gangschwarmes" durchschneiden. Dabei wurden die Kuppen des Roten Steines und des Frauenberges herausmodelliert.

Im Nordwesten reicht der Blick über mehr oder weniger ausgeräumte Ackerlandschaft, seit einigen Jahren mit Windkraftanlagen gespickt. Dahinter liegt Dippoldiswalde, und dahinter wiederum das flache Forstgebiet der Dippoldiswalder Heide. Solche Sandsteinheiden sind auch im Norden zu erkennen. Man kann ahnen, wie der nördlich davon aufragende Höhenzug der Wendischcarsdorfer Verwerfung die Abtragung dieser kreidezeitlichen Hinterlassenschaften verhindert hat. Herausragender Teil dieses Höhenrückens ist der Wilisch, ein durch einen ehemaligen Steinbruch markant geformter Basaltberg. Rechts daneben hat die Lockwitz die tektonische Verwerfungslinie durchschnitten und fließt in Richtung Elbtal, wo man bei guter Sicht die Häuser von Dresden erkennt.


Körnchen-Steinbrech am Luchberg

Aber selbstverständlich lohnt sich eine Runde um den Luchberg nicht nur wegen der Aussicht. Besonders im Frühjahr erwartet den Wanderer eine interessante Wiesen-, Steinrücken- und Waldrandflora, die vom basischen Gestein bzw. den mit Kalzium, Magnesium und anderen Pflanzennährstoffen angereicherten Sickerwässern gefördert wird. Im April sind es vor allem Hohe Schlüsselblumen, Gebirgs-Hellerkraut, Dolden-Milchstern, Hohler Lerchensporn und Seidelbast, die auffallen. Im Mai kommen dann ganz viele Arten zur Blüte, als typische Beispiele seien genannt: Körnchen-Steinbrech, Knolliger Hahnenfuß, Margerite, Rundblättrige und Wiesen-Glockenblume, Acker-Hornkraut, Rauer Löwenzahn, Lungenkraut, Waldmeister, Wald-Erdbeere. Und natürlich das Stattliche Knabenkraut, dessen purpurnen Blütenstände hier besonders eindrucksvoll wirken und auch ohne Teleobjektiv zu fotografieren sind. Nachdem in der Vergangenheit immer wieder ahnungslose Mitmenschen Orchideen am Luchberg gepflückt hatten, stellte die Grüne Liga Osterzgebirge einige Schilder auf, die auf die Bedeutung dieser Pflanzen hinweisen. Das scheint gewirkt zu haben - es gibt glücklicherweise fast keine Verluste durch Blumenpflücker mehr. Von der Vielzahl weiterer Orchideenarten, die einstmals am Luchberg zu Hause waren, gibt es heute nur noch das unscheinbar grün blühende Große Zweiblatt.

Auch im Juni kommen noch einige sehr hübsche Pflanzenarten zur Blüte, unter anderem Kriechende Hauhechel, Heide-Nelke, Pech-Nelke, Nickendes Leimkraut, Wiesen-Flockenblume und - erst Mitte der 1990er Jahre entdeckt - Türkenbund-Lilie. Im Juli wird es dann Zeit zur Mahd der kleinen Wiesenbuchten. Durch die enge Verzahnung mit Feldgehölzen und Steinrücken ist dies immer ein ziemlich aufwendiges Unterfangen. Zwischen 1992 und 2002 haben dies Helfer der Grünen Liga gemacht, seither hat der Grundstückseigentümer die Flächenpflege in die eigene Verantwortung genommen.

Interessant ist am Luchberg auch ein Vergleich der Flora von Süd- und Nordseite. Der südliche Waldrand liegt in 530 m Höhenlage. Aufgrund der intensiven Sonneneinstrahlung gedeihen hier aber Pflanzen, die sonst eher im Hügelland zu Hause sind. Neben den schon genannten Arten Pech-Nelke und Nickendes Leimkraut gehören dazu auch Jacobs Greiskraut und Färber-Ginster. Auf der gegenüberliegenden, sonnenabgewandten Seite des Berges, obgleich 30 Meter niedriger, ist hingegen ein Streifen Bärwurz-Rotschwingel-Bergwiese ausgebildet.

Die aus mindestens zehn verschiedenen Baumarten zusammengesetzten Waldbestände des Luchberges sind sehr strukturreich. Im basischen, blockreichen Boden finden viele verschiedene Waldpflanzen geeignete Keimungs- und Wachstumsbedingungen. Entsprechend artenreich ist die Bodenflora, wobei es sich überwiegend um Buchenwaldpflanzen handelt, denen der Halbschatten sowie der Basenreichtum ideale Wachstumsmöglichkeiten bieten: Wald-Flattergras, Benekens Waldtrespe, Waldmeister, Wald-Bingelkraut, Quirl-Weißwurz, Haselwurz, Nickendes und Einblütiges Perlgras, neben vielen weiteren Arten. Besonders im Sommer, wenn die meisten Blütenpflanzen ihre Hauptaktivität bereits beendet haben, fallen die großen Bestände des Gewöhnlichen Wurmfarnes auf. Die Vegetationskundler fassen den edellaubholzreichen Mischwald des Luchberges als Übergangsstufe der Sukzession (= Entwicklung der Pflanzengesellschaften) hin zu einem perlgrasreichen Waldmeister-Buchenwald auf. Viel deutet im Moment allerdings nicht darauf hin, dass sich die eigentlich so konkurrenzkräftigen Buchen hier in nächster Zukunft durchsetzen könnten. Trotz erheblicher Verbiss-Schäden - viele Rehe der Umgebung ziehen sich tagsüber in den Luchbergwald zurück - dominieren in der Gehölzverjüngung Esche und Ahorn.

Ganz und gar nicht standortgerecht hingegen sind Fichten am Luchberg. Sommerliche Trockenheit und nachfolgende Borkenkäferschwärme sind derzeit dabei, die beiden Nadelbaumbestände zu beseitigen. Reichlich Totholz und Reisighaufen entstehen dabei und bringen eine vorübergehende Bereicherung des Lebensraumangebotes für einige Tierarten mit sich.

Auch am Luchberg wurde versucht, den Basalt als Schottermaterial für Straßen- und Eisenbahnbau zu nutzen. Doch anders als am Wilisch oder am Geisingberg gab man den Steinbruchbetrieb ziemlich rasch wieder auf. Der Olivin-Augit-Tephrit, so die korrekte Bezeichnung des tertiären Vulkangesteins, erwies sich als typischer "Sonnenbrenner". Das schwarze Gestein ist keineswegs so homogen, wie es zunächst den Anschein hat, und sobald es aus dem Fels heraus gebrochen ist, setzt die Verwitterung an. Das brachte insbesondere Ende des 19. Jahrhunderts bei den Gleisanlagen der neu gebauten Eisenbahnen Probleme. Der Steinbruch ist heute weitgehend verwachsen. Auf dem Zugangsweg sollte man auf die unscheinbaren, im blütenlosen Zustand mit Breit-Wegerich zu verwechselnden Pflanzen des Großen Zweiblattes acht geben.


Grüne-Liga-Helfer beim Heumachen am Luchberg (1997)